Interessantes aus dem Kirchenbuch Erdeborn von 1896 bis 1936
  • Seit dem 15. November 1898 hat Erdeborn eine eigene Bahnstation.
  • Am 11. November 1900 starb der Patron der Kirche: der Rittergutsbesitzer Wilhelm Marckwald. Er war jüdischer Herkunft und stammte aus einer Berliner Bankiersfamilie. Ursprünglich stand er christlicher Denkweise fern; war aber zu allen Zeiten der Gemeinde das Vorbild des Edelmutes, der Selbstlosigkeit, Wohltätigkeit und Bescheidenheit. Er war der Kirche und der Schule ein freigebiger, pflichteifriger Patron und je länger je mehr auch dem Christentum innerlich nähergekommen. Sein Tod versetzte die ganze Gemeinde -ohne Unterschied des Standes- in tiefe Trauer. Sein Sarg wurde in der Kirche aufgebahrt, in der unter ungeheurer Beteiligung am 13. November 1900 ein Trauergottesdienst stattfand. Beerdigt wurde er in Halle, neben seiner Gattin. Zum Andenken an den Vater schenkten die Kinder -so hatte er es bestimmt- der Kirche 300 Mark, für welche er auf seinen Wunsch zwei gemalte Glasfenster zu beiden Seiten des Altars angebracht wurden. (gemalt von Heinersdorff aus Berlin) Die Fenster waren vorher klein und ungleich gewesen. Die neuen Fenster in edlen Formen und tiefen, dunklen Farben haben der Kirche ein schöneres Aussehen gegeben.
  • Am 25. August 1901 wurde das Kriegerdenkmal eingeweiht. (Denkmal für die gefallenen Erdeborner Soldaten des Krieges 1870/71 am heutigen Denkmalsplatz)
  • Am 29. August 1901 wurde in Eisleben eine Gussstahlglocke für Manow, einer Stadt unserer damaligen deutschen Kolonie in Ostafrika, überreicht. Die Glocke trug die Aufschrift: “Hossiana. Erdeborn – Manow”. Als Zugabe fertigte der Schmiedegesell Hermann Holtzhausen einen kleinen Wagen aus Zinkblech an, dessen Räder Goldstücke waren. Mit einem Gedicht wurden Glocke und Wagen feierlich übergeben. -Den Sonntag vorher hatten wir die Glockevor unserer Kirche aufgehängt und nach hellem Probegeläut im Nachmittagsgottesdienst von ihr Abschied genommen.
  • 1902 wurde unsere Kirche von Maurern, Handlangern usw., die die Gutsbesitzer und der neue Patron zur Verfügung stellten, mit Farben, Zement und Schlämmkreide etwas renoviert. Da kein Geld in der Kirchenkasse war, von Spenden finanziert. Nun sieht die Kirche zwar nicht schön, aber doch auch nicht vernachlässigt und schmutzig aus, sondern fest, alt, ernst und würdig; ein Denkmal schwerer Zeiten und der unerschütterlichen Frömmigkeit und starker Zucht unseres früheren Geschlechtes: “Herr, lass Deine Augen offen stehenüber diesem Hause Tag und Nacht!”
  • Am 27. Dezember 1903 starb Friedrich Roloff.
  • 1905/1906 wurde der Kalischacht durch Bohrtürme entdeckt.
  • 1905: Kantor Kneist wollte die Kosten für die elektrische Beleuchtung der Kirche übernehmen mit der Bedingung, dass die Glocken dabei mit angeschlossen werden sollten. Das war aber zu teuer, deshalb wurde es nicht gemacht. Die politische Gemeinde erkannte nun auch die finanzielle Not der Kirchenkasse und bewilligte einen jährlichen Zuschuss von 250,- Mark aus der Gemeindekasse.
  • 1909/1910: Der Winter brachte viele Todesfälle. Magen- und Darmkrebs waren hauptsächlich die Ursachen.
  • Am 19. August 1917 wurde von Herrn Patron Hauptmann Rusche Herr Pastor Schiffmann in sein Amt eingeführt. Nach 17jähriger Amtszeit trat er am 30. September 1934 in den Ruhestand.
  • Vom 1. Oktober 1934 bis 31. Mai 1936 war Vakanzverwalter in unserer Kirche Herr Pfarrer Reichardt von Seeburg. Während dieser Zeit wurde das alte Pfarrhaus aus dem Jahre 1736 vom Keller bis zum Dach neu renoviert. (Kostenaufwand: 15 000 Reichsmark) Es erhielt auch Warmwasser, Zentralheizung, Badeeinrichtung, Wasserspülklosett und eine Fernsprechanlage. Zu der Zeit entstand auch der jetzige Pfarrsaal.
  • Am 1. Juni 1936 trat der Pfarrer Rudolf Frommhagen die Erdeborner Pfarrstelle an; er wurde am 7. Juni 1936 von Herrn Superintendent Valentin aus Eisleben in sein Amt eingeführt. Familie Frommhagen hatte 6 Kinder. (2 Söhne und 4 Töchter)