Die Glocken der St. Bartholomäus Kirche zu Erdeborn

Auf dem Turme befanden sich einst drei Glocken von 1,14, 0,90, und 0,66 m Durchmesser und 17,89 Ztr., 7,10Zt., 3,47 Ztr. Gewicht.

Die große Glocke ist 1764 von Joh. Georg Ulrich in Laucha gegossen. Die Kosten des Umgusses betrugen 220 Taler; doch war die neue Glocke 1 1/2 Zentner schwerer, als die alte. Sie wurde am 25. Juli 1765 wieder aufgehängt. Die Glocke trug folgende Inschriften:

Oben:

Soli Deo Gloria
Johann Georg Ulrich Lauchae me fudit.
Menso Maio MDCCLXIV.

Auf der einen Seite steht:

Am frohen Friedensfest ward ich entzwei gesprenget,
Das andre Jahr darauf von neuem aufgehänget.
Auf Kosten der Commun bin ich hierher gebracht,
Mein Klang sei wiederum ihr völlig zugedacht.
Ein Seclum* hab ich erst, eh´ ich zersprang, gelebet,
Und Erdeborn wünscht stets, dass über mich Gott schwebet.

Auf der anderen Seite liest man:

Dynastis hearedibus Streithorstiansis
(Es folgt das Streithorstsche Wappen)
Praefecto Martino Ernesto Einickio.
Pastore Erdmanno Phillipo Hüllmanno.

Die vor dieser Glocke in Gebrauch gewesene und beim Friedensgeläute im Jahre 1763 gesprungene Glocke, war mit Bildern und Münzen, auch mit dem Streithorstschen Wappen fast überreich verziert. Sie trug folgende Inschrift:

Soli Deo Gloria.
Ioachim Ianken me fudit ao. 1661 mense Iuno.
Julius Ernst von der Streithorst, Gerichtsjunker.
Michael Friedrich Schooch, Amts-Schösser.
Nuncio numen, sponsum, ignem furemque trahenda,
Argentum et hominem cum venit atque fugit.

Zu deutsch etwa:
Mein Geläute verkündet dir Gott, die Hochzeit, das Feuer, Diebstahl, Zahlungsgebot, Zeit der Geburt und des Tods.

Unten stand noch:

Diese Glocke hat die Gemeinde zu Erdeborn umgießen lassen.

Da sie 1661 umgegossen war, so hat sie nur etwas über 100 Jahre der Gemeinde gedient.

Die Mittelglocke führte oben folgende holprige Inschrift:

Jesus gebe, dass die Glocke
Recht viele Menschen herbeilocke,
Dass sie hören Gottes Wort.

Auf der einen Seite stand:

C. W. V. D. S.

Auf der anderen Seite stand:

L. V. D. S.
Goss mich Johann Jacob Hoffmann in Halle Ao. 1700.

Die Namens-Siglen beziehen sich auf die Familie v.d. Streithorst.


Die kleine Glocke hatte ausser den vorerwähnten Namen die Inschrift:

Die Glocke und auch die Kirche Dein
Lass dir, o Gott, befohlen sein.


Im ersten Weltkrieg wurden auch unsere 2 großen Glocken und einige Orgelpfeifen aus Zinn zu Kriegszwecken ausgebaut und eingeschmolzen. Als dann 1920 beim Ostergeläut die kleine Bronzeglocke auch noch zersprang, gab der Kirchengemeinderat unter Pfarrer Schiffmann zwei neue Stahlglocken bei der Firma Ulrich und Weule in Bockenem am Harz in Auftrag. 1922 wurden die neuen Glocken aus Stahlguss wieder aufgehängt und geweiht. Die große Glocke mit dem Ton A wiegt 733 Kilo und die kleinere mit dem Ton C wiegt 432 Kilo. Der damalige Wert in der Inflationszeit betrug fast 16000 Mark.

Ulrich und Weule

Die Stahlglocken haben aber nicht so eine lange Lebensdauer wie ihre Vorgänger aus Bronze. Bei der letzten Reparatur im Juli 2006 wurde auf die vom Rost zernagten Ränder hingewiesen und die Kirchengemeinde muss mit einem plötzlichen Zerspringen rechnen.

Bis 1960 übernahmen die zukünftigen Konfirmanden, die sogenannten Läutejungen, das Ziehen der Glocken mit der Hand. Als keine Konfirmanden mehr zur Verfügung standen wurde sie von einigen Gemeindemitgliedern oder vom Pfarrer selbst geläutet. 1960 ließ man eine elektrische Läutemaschine einbauen. Diese wird heute durch eine Zeitschaltuhr betrieben.

*Seclum=Saeculum – Menschenalter, Generation